Loading…
This event has ended. View the official site or create your own event → Check it out
This event has ended. Create your own
Weitere Informationen und Anmeldung unter nrch.de/nr15
View analytic
Friday, July 3 • 14:00 - 15:00
Wulff, Kachelmann, Hoeneß... — Was darf Verdachtsberichterstattung – und was nicht?

Sign up or log in to save this to your schedule and see who's attending!

Schuldig? Oder  nicht?  Diese Frage wird jeden Tag in vielen Gerichtssälen entschieden - von Richtern. Nach einer Verhandlung, deren Ablauf gesetzlich normiert ist. Und in der es Ankläger, Verteidiger und eben Richter gibt.

Was aber, wenn es um prominente Beschuldigte geht? Wenn die Vorwürfe brisant, der wahre Sachverhalt  aber weder ermittelt noch juristisch eindeutig festgestellt worden ist? Wenn das (vermeintlich) öffentliche Interesse so groß ist, dass man das Ende eines langwierigen Gerichtsverfahrens nicht abwarten will?
Egal ob Kachelmann, Wulff, Edathy oder Hoeneß - die Öffentlichkeit hatte ihr Urteil schon gefällt, bevor die juristische Aufbereitung überhaupt begonnen hatte. Journalisten/innen hatten all das geliefert, was eine Meinungsbildung (vermeintlich) ermöglicht hatte.
 
Nicht erst seit diesen Affären steht der Vorwurf im Raum, dass manche Journalisten/innen ihre Funktion missbrauchen, indem sie sich als Ermittler, Ankläger und Richter betätigen.

 
Doch die Diskussion, die Kontroverse behandelt Fragen, die über diese Fälle hinausgehen, die eher grundsätzlich sind, die das journalistische Ethos berühren. Und die auch all jene betreffen, die nicht über die bundesweit bekannten Fälle berichten (müssen?), sondern auf lokaler Ebene über Vorkommnisse bei sogenannten "Lokalgrößen".

Was ist journalistisch geboten, was erlaubt, wenn über Vorwürfe oder Affären berichtet wird? Wie ist die eigentlich zulässige "Verdachtsberichterstattung" definiert, wann sind die Grenzen des Zulässigen überschritten? Welche Rechte haben Betroffene, sich gegen Berichte zu wehren? Wie funktioniert das (nicht gerade seltene) Zusammenspiel von Anwälten und Journalisten/innen ? Lassen sich Journalisten/innen bisweilen auch von Staatsanwälten instrumentalisieren ? Ist der Vorwurf des "Kampagnenjournalismus" völlig absurd? Dürfen Medien Partei ergreifen? Worin besteht der Unterschied zwischen moralischen/politischen Vorwürfen und juristischen Feststellungen?

Es sind Fragen, die für den Journalismus elementar sind. Gerade in Zeiten, in denen viel von der "Glaubwürdigkeitskrise" der Medien die Rede ist, wo (von einigen) allzuschnell der Kampfbegriff  "Lügenpresse" bei Demonstrationen gerufen wird. Gibt es Anlass zur medialen Selbstkritik - oder ist alles gut?

weiterführende Links

- "8 Regeln für die Verdachtsberichterstattung, die Journalisten und Blogger kennen müssen" (Thomas Schwenke)
- "BGH zu den Grenzen der Verdachtsberichterstattung im Internet" (Robert Golz)
- "Informationsinteresse vs. Persönlichkeitsrecht - Die Verdachtberichterstattung in den Medien" (Sebastian Dramburg)
- "Presse muss sich nicht ins Unrecht setzen" (Anne-Christine Heer)

- "Zivilprozess gegen den "Stern" - 4:0 für Hoeneß" (Hans Leyendecker)
- "Hoeneß erwirkt weitere Unterlassung gegen den "Stern" " (Hans Leyendecker)
- " "Stern"-Bericht über Uli Hoeneß: Gab es keinen Deal?" (Joachim Jahn)

- "Bitte entschuldigen Sie, Herr Edathy" (Thomas Fischer)
- "Beschämt und verdammt" (Heribert Prantl)
- "Soziale Vernichtung eines Menschen" (Dieter Kassel, Ute Welty und Heribert Prantl)


Moderatoren
avatar for Anja Reschke

Anja Reschke

Leiterin Innenpolitik, NDR
Anja Reschke studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Sozialpsychologie in München. 1993 begann sie als freie Reporterin bei Antenne Bayern. 1998 trat Reschke ihr Volontariat beim NDR an. Ab 2000 iwar sie freie Autorin bei Panorama und seit Juli 2001 Moderatorin der Sendung. Seit 2015 leitet Anja Reschke die Abteilung Innenpolitik. Für den Panorama-Beitrag "Politiker und die Zweitwohnungssteuer" wurde sie 2001 mit dem Axel... Read More →

Referenten
avatar for Kirsten van Hutten

Kirsten van Hutten

Rechtsanwältin und Justiziarin, Gruner + Jahr
Dr. Kirsten von Hutten wurde 1972 in Bad Kreuznach geboren. Sie studierte Rechtswissenschaften in Bonn und Lausanne und promovierte nach dem ersten Staatsexamen über die zivilprozessuale Geltendmachung von Widerrufs- und Unterlassungsansprüchen im Medienrecht. | | Frau Dr. von Hutten setzte ihre medienrechtliche Fokussierung während des Referendariates mit Stationen beim SWR, bei Redeker Schön Dahs und Sellner und... Read More →
avatar for Hans Leyendecker

Hans Leyendecker

Leiter des Ressorts Investigative Recherche, Süddeutsche Zeitung
Hans Leyendecker, geboren 1949, volontierte beim Stader Tageblatt, wechselte 1979 zu Der Spiegel und deckte dort unter anderem die Flick-Affäre auf. Seit 1997 arbeitet er für die Süddeutsche Zeitung, zunächst als Leitender Politischer Redakteur, inzwischen als Leiter des Ressorts für Investigative Recherche. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Preise, unter anderem den Gustav-Heinemann-Bürgerpreis und... Read More →
avatar for Christian Mensching

Christian Mensching

Rechtsanwalt, Redeker Sellner Dahs
Christian Mensching, geboren 1977, studierte Rechtswissenschaften in Bonn und New York. Seit 2007 ist er Rechtsanwalt in der Sozietät Redeker Sellner Dahs und im Bereich des Presse- und Medienrechts tätig. Er berät und vertritt sowohl Journalisten und Rundfunkveranstalter als auch Institutionen, Unternehmen und Privatpersonen in presserechtlichen Fragen und Auseinandersetzungen.


Friday July 3, 2015 14:00 - 15:00
S1 Presserecht

Attendees (12)